Was Sie über Transsexualität wissen sollten…

Ist Transsexualität eine Krankheit?

Nein!

Transsexuelle Menschen sind weder körperlich noch psychisch krank. Wie bereits zuvor beschrieben, handelt es sich bei dem Phänomen Transsexualität um eine Variante der Geschlechtsentwicklung, also eine „Normvariante der Natur“ (Rauchfleisch, 2014), welches nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft während der fötalen Entwicklung durch Veränderungen des Hormonspiegels im Mutterleib entsteht. 

Lange Zeit wurde Transsexualität als eine „Störung der Geschlechtsidentität“ gesehen. Mit teilweise kriminellen Methoden („Konversionstherapien“) wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts versucht, transsexuelle Menschen „zu heilen“. Lange Zeit wurde angenommen, dass Transsexualität änderbar (z.B. durch Psychotherapie) wäre. Die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte belegen eindeutig das Gegenteil. 

Transsexualität ist nicht änderbar 

– zumindest solange nicht, bis wir medizinisch in der Lage sind, Gehirne von Menschen auszutauschen.

Vor allem die Neurowissenschaften haben in den letzten zwei Jahrzehnten genügend Wissen angehäuft, um eine primär psychische Verursachung der Transsexualität auszuschließen.


»Die Entstehung der Störung (Anm. der Autorin: gemeint ist Transsexualität) bleibt deshalb zur Hauptsache rätselhaft. Ihre Einreihung unter psychogene Entwicklungen ist ein Notbehelf…«.

Katzer, M., Voß, H-H. (Hrsg.) (2016). Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung, Praxisorientierte Zugänge. Gießen: Prosozial-Verlag

Die Neurowissenschaft zeigt deutlich, dass man Transsexualität durchaus als eine besondere Form von Intersexualität erklären kann. Das Gehirn eines Menschen stellt einen wesentlichen Teil des Körpers dar. Milton Diamond bezeichnet die Transsexualität auch als „neuronale Intersexualität“. Als intersexuell bezeichnet man Menschen, die mit sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt gekommen sind. Beim Phänomen „Transsexualität“ scheint dies in besonderer Weise zuzutreffen (Haupt, 2016). Eine Mehrheit der Wissenschaften sieht dies mittlerweile mehrheitlich ebenso.

In der internationalen statistischen Klassifikation für Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) wird Transsexualität derzeit (ICD-10) noch immer als „Störung der Geschlechtsidentität“ (F64.0) aufgelistet. Eine Revision des ICD wurde durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Mitte 2018 durchgeführt und sieht vor, den Erkenntnissen der Wissenschaft Rechnung zu tragen. Transsexualität gilt dann nicht mehr als eine „Persönlichkeits- und Verhaltensstörung“ (F60-F69) sondern wird im Kapitel 17 unter „Bedingungen im Zusammenhang mit der sexuellen Gesundheit“ (HA60/HA61/HA6Z) erscheinen. Transsexualität gilt somit im ICD-11 nicht mehr als psychische Erkrankung. Die nationale Umsetzung des ICD-11 hätte bis Mai 2019 abgeschlossen sein sollen. In Deutschland wird der ICD-11 jedoch erst ab 2022 in Kraft treten.

 
Dennoch werden transsexuelle Menschen in vielen Ländern (auch in Deutschland) noch immer gezwungen, sich einer langen Psychotherapie und anderen Maßnahmen (Begutachtungen) zu unterziehen, bevor sie letztendlich ihr Geschlecht leben dürfen.